Realitäten, Glasscherben und St. Pauli

Gerade beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema, wie wir unsere Realität selber erschaffen. Wie wir die Welt um uns herum mit unseren ganz eigenen Filtern wahrnehmen, aber gleichzeitig davon ausgehen, dass jeder das, was wir sehen, so sieht, wie wir es auch sehen. 

Ein kleines Beispiel. Ich wohne auf Sankt Pauli und finde es (meist) total super. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in Nordhessen (vor dem Ortsschild), wo zwei Mal am Tag ein Bus in die nächst größere Stadt fuhr und es außer einem Tante-Emma-Lädchen, das dann irgendwann auch seine Tore schloss, überhaupt nichts gab. Ich fand das immer total doof und konnte es kaum erwarten a) meinen Führerschein zu machen und b) dort weg zu ziehen. 

Nun also Sankt Pauli: in fünf Minuten bin ich an der Elbe und in Planten & Bloomen, wenn ich zwei Mal lang hinfalle bin ich beim nächsten Edeka, habe Kneipen und erstklassige Restaurants vor der Tür. Freund:innen kann ich easy mit dem Fahrrad besuchen oder treffen. 

Regelmäßig bekomme ich hier aber auch Gesprächsfetzen von Touristen mit, die so Dinge sagen wie „Leben würde ich hier ja nicht wollen“ oder „Schön ist das hier ja nicht“. Dasselbe Außen, zwei ganz unterschiedliche Perspektiven, zwei ganz unterschiedliche Welten. 

Mein Fokus liegt auf Freiheit, der Fokus der Touristen auf dem ganzen Graffiti und dem Dreck auf der Straße, auf den Junggesell:innenabschieden und den Glasscherben. 

Zwei Perspektiven, zwei Wahrheiten, zwei Realitäten. Ein Gedankenanstoß für zwei Themen:

  • Die Welt ist nicht schwarz/weiß. Es hilft, nicht in entweder/oder-Standards zu denken, sondern einfach mal die Brille des Gegenübers aufzusetzen und so mehr Toleranz und Verständnis zu erzeugen.
  • Wenn es in jedem Moment unendlich viele Möglichkeiten meiner Wahrnehmung gibt, habe ich es selbst in der Hand, auf was ich meinen Fokus setze. Konzentriere ich mich auf Mangel oder Fülle? Schaue ich auf das, was vielleicht nicht so gut in meinem Leben läuft oder auf das, was schon da ist und für das ich dankbar sein kann?

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